//geheimnis.

„Ich selber aber gab mich keinen Illusionen hin: nie würde ich die alte Kulisse zerschlagen können, die mich für immer umgab. Durch Mikroskope und Brillen sah ich doch immer nur mit meinen eigenen Augen; nur dadurch, daß sie sichtbar und greifbar waren, existierten die Dinge für uns, sorgfältig aufgebaut im Raum und in der Zeit, inmitten anderer Dinge; wenn wir den Mond ersteigen könnten und tief in den Ozean tauchen, so würden wir doch Menschen bleiben inmitten einer Menschenwelt. Die geheimnisvollen Wirklichkeiten, die sich unseren Sinnen entzogen: die Naturkräfte, die Planeten, die Moleküle, die Wellen waren ein weites, riesiges Nichts, aus dem unsere Unwissenheit uns entgegensah und das wir unter Worten zu verstecken suchten. Niemals würde die Natur uns ihre Geheimnisse ausliefern: sie hatte keine Geheimnisse: wir waren es selbst, die Fragen erfanden und Antworten formulierten, und niemals würden wir auf dem Grund unserer Retorten etwas anderes entdecken als unsere eigenen Gedanken; diese konnten sich im Laufe der Jahrhunderte vervielfältigen, verwickeln, immer umfassendere und ausgeklügeltere Systeme bilden, aber niemals würden sie mich mir selber entreißen können. Ich hielt mein Auge nah ans Mikroskop; immer würde alles durch mein Auge gehen und durch meine Gedanken; nie würde etwas anders sein, nie ich ein anderer …“

„Alle Menschen sind sterblich“ – Simone de Beauvoir

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